600 Ausbildungsplätze in Münster unbesetzt

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Ausbildungsstart noch möglich/Betriebe bieten Schnupper-Praktika an

Münster (SMS) In diesen Tagen beginnen in vielen Betrieben junge Menschen mit ihrer Ausbildung. Doch noch sind knapp 600 Ausbildungsplätze in Münster unbesetzt. Zahlreiche Unternehmen suchen weiterhin nach Bewerbern und Bewerberinnen. Sowohl die Betriebe als auch die Ausbildungswilligen können noch zueinander finden „Jugendliche sollten die Chancen nutzen“, so der Appell von Christine Zeller, Kämmerin und Leiterin des Krisenstabs Wirtschaft der Stadt Münster. Der Krisenstab Wirtschaft befasste sich seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie mit dem bedeutenden Thema der Nachwuchsfindung für Unternehmen als einem von mehreren Schwerpunkten, wie etwa der Generierung von Förder- und Unterstützungsleistungen, der Liquiditätslage der Unternehmen und den Auswirkungen des Lock-Downs auf Handel und Gastronomie.

Große Herausforderungen am Ausbildungsmarkt

Aktuell stehen jedem Ausbildungsplatzsuchenden mehr als zwei offene Ausbildungsstellen gegenüber. Das klinge zwar nach einer komfortablen Situation für junge Menschen. Dahinter zeige sich aber, wie groß die Herausforderungen am Ausbildungsmarkt im zweiten Jahr der Corona-Pandemie seien, sagt Joachim Fahnemann, Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster. Ausgefallene Praktika und abgesagte Ausbildungsmessen: Es gab in den vergangenen Monaten wenig Gelegenheiten, in denen sich junge Menschen beruflich orientieren und Ausbildungsbetriebe kennenlernen konnten. Dabei komme es bei der Berufswahl genau darauf an: „Der Beruf und das betriebliche Umfeld müssen für Jugendliche erlebbar sein. Nur auf der Basis von theoretischen Wissen und Internetrecherchen ist die Entscheidung für einen Beruf kaum möglich“, so Fahnemann.

Umso positiver bewerten Fahnemann und Christine Zeller die Anstrengungen, die zum Beispiel das Pharma-Logistik Unternehmen Waldeck in Roxel unternimmt, um Auszubildende zu finden. Auch in diesem Jahr haben dort sieben junge Menschen ihre Ausbildung angetreten, fünf im kaufmännischen Bereich und zwei als angehende Fachkräfte für Lagerlogistik. Karl-Heinz Henze, der seit 35 Jahren Ausbildungsleiter bei Waldeck ist und in dieser Zeit rund 175 Auszubildende betreut hat, setzt dabei darauf, die künftigen Nachwuchskräfte in längeren Praktika kennenzulernen. Denn, so sagt er: „Wir stellen Menschen ein, keine Schulnoten. Für uns ist besonders wichtig, dass unsere Auszubildenden in den Betrieb passen und die richtige Motivation mitbringen“. Daher gibt Henze seit Jahren Jugendlichen eine Chance, die in berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen betreut werden. „Die jungen Leute bringen zwar nicht immer die besten Schulnoten mit, beschäftigen sich aber einige Monate mit ihrer Berufswahl und absolvieren während der Maßnahme längere Praktika“, erklärt Henze.

So kam auch der 18-jährige Alexej Bär zu Waldeck. Obwohl die Praktikumszeit aufgrund der Corona-Pandemie nicht immer leicht war, hat er sich durchgebissen. Aufgrund der verschärften Schutzvorschriften musste der Betrieb, der mit seinem Schwesterunternehmen Diagonal GmbH & Co. KG bundesweit Unternehmen mit Laborbedarf in den Bereichen Forschung, Industrie, Krankenhaus und Arztpraxen beliefert, zeitweilig im streng getrennten Zwei-Schichtbetrieb arbeiten. Theoretische Unterweisungen und Unterricht finden per Video-Call statt. „Aber Alexej hat ein Ziel vor Augen und Engagement gezeigt. Das hat uns überzeugt“, berichtet Henze über seinen frischgebackenen Auszubildenden.   

Kurzfristige Praktika zum Schnuppern

„Das Beispiel Waldeck zeigt, wie pragmatisch und kreativ viele Unternehmen in Münster bei der Suche nach Auszubildenden sind“, sagt Oberbürgermeister Markus Lewe, der schon in 2019 den Krisenstab Wirtschaft ins Leben gerufen hat, um Münsteraner Betriebe während der Pandemie zu unterstützen. Carsten Taudt, Industrie- und Handelskammer Nordrhein-Westfalen und Knut Heine, Handwerkskammer Münster, ebenfalls Mitglieder im städtischen Krisenstab, betonen, dass Jugendliche die damit verbundenen Chancen auch nutzen sollten. „Da geht noch ganz viel und eine betriebliche Ausbildung ist ein sehr guter Start ins Berufsleben“, unterstreicht Taudt. „Viele Betriebe ermöglichen auch kurzfristig noch Zeiten, in denen junge Menschen in die Praxis schnuppern können“, ergänzt Heine. Allen jungen Menschen, die noch unsicher sind, gibt Waldecks Ausbildungsleiter Henze den Tipp, sich bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur oder den Kammern Unterstützung zu suchen. 

Foto:  Eine betriebliche Ausbildung ist ein guter Start ins Berufsleben. Christine Zeller, Stadtkämmerin und Leiterin des Krisenstabs Wirtschaft der Stadt Münster, Karl-Heinz Henze, Ausbildungsleiter Waldeck GmbH, Alexej Bär, Auszubildender Waldeck GmbH und Joachim Fahnemann, Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster.

Foto: Amt für Kommunikation, Stadt Münster.

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